RELEVANT 2
Frank Lloyd Wright / The Super Models / Die ältesten Restaurants der Welt / Edvard Munch / Truman Capote / Christoph Schlingensief und Michel Friedman / Wigan Casino
Vor fast drei Wochen veröffentlichte ich die erste Ausgabe von RELEVANT und konnte nicht einschätzen, wie die Resonanz sein würde. Ein Newsletter über Themen, die mich interessieren: Würde das für Leser attraktiv sein, oder schriebe ich eher für mich selbst? Die üblichen Anfangszweifel. Umso erfreuter bin ich, dass die bisherigen Rückmeldungen ausschließlich positiv sind. Das ist von daher bemerkenswert, weil sich im Netz sonst eher Kritiker zu Wort melden. Für konstruktive Kritik bin ich selbstverständlich offen und ein zivilisierter Veröffentlichungsrhythmus dieser Publikation bleibt auf Dauer zugesichert. Wenn Sie noch nicht zu den Abonnenten gehören, lässt sich das leicht ändern.
Modelle: Maßstabsgetreue Bausätze von Frank Lloyd Wright-Bauwerken
Die australische Firma “Little Building Co” bietet hochwertige und detailgetreue Architekturbausätze an. Im Sortiment sind auch zwei Gebäude von einem meiner Lieblingsarchitekten Frank Lloyd Wright: Sein erstes Usonian House und das Guggenheim Museum.
Wer an kalten Winterabenden nach einer Beschäftigung sucht und sich für Architektur interessiert, sollte sich diese Modelle einmal ansehen.


Little Building Co / Architect Series
Serie: The Super Models
Ich bin mit Zeitschriften, wie “Max” und “Tempo” aufgewachsen. Dadurch waren Cindy (Crawford), Naomi (Campbell), Tatjana (Patitz), Linda (Evangelista) und Christy (Turlington) immer präsent. Etwas später kamen Kate (Moss) und Claudia (Schiffer) dazu. In meinem Internatszimmer hingen Poster von ihnen. Spätestens, als Peter Lindbergh sie 1990 zusammen für die “Vogue” fotografierte, wurden sie zu Ikonen. Wunderschöne, von der Realität scheinbar nicht berührte Frauen. Diese Models waren, genau wie Statuen, Ideale. Dessen war ich mir immer bewusst. Deshalb hat die Faszination für sie mein Frauenbild nicht in unrealistischer Weise beeinflusst.
Nun gibt es seit September auf Apple+ die Serie “The Super Models” zu sehen, die mich von der ersten Minute an fesselte. Die Damen, immer noch umwerfend gutaussehend und inzwischen allesamt in ihren Fünfzigern, erzählen anschaulich ihre Geschichten. Angefangen von der Kindheit über den Umgang mit dem plötzlichen Ruhm in jungen Jahren und auch den nachlassenden Erfolg. Anfang der 2000er hatte sich der Zeitgeist nämlich derartig verändert, dass sie dort nicht mehr so recht hereinpassen wollten. Finanziell hatten sie zu diesem Zeit natürlich längst ausgesorgt, ein Trauma war es dennoch.
Entgegen meiner Befürchtungen aufgrund der Tatsache, dass die Protagonistinnen auch Produzentinnen sind, bleibt die Serie tatsächlich nicht an der Oberfläche. Es wird offen über Rassismus, Probleme mit Drogen und Übergriffigkeiten gesprochen.
Kritiker mögen bemängeln, dass weder Claudia Schiffer, noch Kate Moss in der Dokumentation vorkommen. Das liegt einfach daran, dass sie später dazukamen. Aber auch ich hätte sie mir als Mitwirkende gewünscht. Man kann nicht alles haben. Trotzdem kann ich “The Super Models” wärmstens empfehlen.
Heidi Klum war, entgegen aller Behauptungen, übrigens nie Super- oder Topmodel. Es gibt dazu ein herrlich gemeines Zitat von Karl Lagerfeld:
Ich kenne sie nicht. Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.
Auch solche Zickereien gehören zum Glamour dieser Branche, die heute eine völlig andere ist, als damals. Früher war natürlich nicht alles besser, aber vieles.
Kulinarik: Die ältesten Restaurants der Welt
Der Finanzdienstleister “Net Credit” hat Infografiken zu den ältesten Restaurants der Welt erstellt. Zu diesen gehört auch das St. Peter Stiftskulinarium in Salzburg, welches ich bereits vor einigen Jahren besuchte. Es fand im Jahr 803 durch Alkuin von York, einem Gelehrten und Ratgeber Karls des Großen, erstmals urkundlich Erwähnung. Es wird - auch in diesem Zusammenhang - als das älteste Restaurant der Welt bezeichnet. Ob es das wirklich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Reise nach Salzburg lohnt sich, auch (aber nicht nur) wegen des Café Bazar und der Mozartkugeln von “Fürst” grundsätzlich immer. Sollten Sie eine Weltreise planen, empfiehlt es sich, diese Karten zu studieren.
The Oldest Restaurant In (Almost) Every Country
Ausstellung: Edvard Munch - Zauber des Nordens
Die Berlinische Galerie zeigt im Moment im Rahmen der Ausstellung “Edvard Munch - Zauber des Nordens” rund 80 Werke des Künstlers. Der damals noch unbekannte Munch wurde 1892 vom „Verein Berliner Künstler“ zu einer Einzelausstellung eingeladen und schlug in der damaligen Reichshauptstadt ein wie eine Bombe.
Weil sowohl Vereinsmitglieder als auch Besucher von den Bildern schockiert waren, musste die Ausstellung bereits kurz nach ihrer Eröffnung schließen. Dieser Vorfall gilt heute als Beginn der Moderne in Berlin. Munch verlegte daraufhin seinen Wohnsitz dorthin und blieb bis 1908. Ab 1909 lebte er dann dauerhaft in Norwegen.
Ich habe die Ausstellung diese Woche besucht und war nicht schockiert, sondern begeistert. Sie läuft noch bis zum 24. Januar 2024.
Edvard Munch - Zauber des Nordens / Berlinische Galerie
Literatur: Eine unveröffentlichte Geschichte von Truman Capote
Fast 40 Jahre nach Truman Capotes Tod ist eine bisher unveröffentlichte Geschichte aufgetaucht. Das “Strand Magazine” gab bekannt, dass die Erzählung mit dem Titel “Another Day In Paradise” in der neuen Ausgabe der Zeitschrift zu lesen ist. Wie viele andere Werke Capotes hat sie autobiografische Elemente, ist in seinem charakteristischen Stil geschrieben und wurde in Italien verfasst.
Im Jahr 1950 zog Capote von New York City nach Taormina, wo er in der Villa “Fontana Vecchia” lebte.
“Another Day In Paradise” wurde in einer Zeit der Zufriedenheit geschrieben und handelt von Ernüchterung sowie Gefangenschaft. Die amerikanische Erbin Iris Greentree, hat mit ihrem Erbe eine kleine Villa in Sizilien gekauft. Sie wird vom Einheimischen Signor Carlo Petruzzi, der sie überredet hat, ihr Geld anzulegen, verraten und ist zu pleite, um das Haus zu verkaufen und in die USA zurückzukehren.
Herausgeber Andrew F. Gulli fand die Geschichte, die schwer zu entziffern war, zufällig in Dokumenten der Library of Congress in Washington. Schließlich befasste sich auch Louise Schwartz vom Truman Capote Estate, die selbst Schriftstellerin ist, mit dem Manuskript und gab hilfreiche Anregungen.
Ich habe das Heft bereits bestellt und bin sehr gespannt.
The Strand Magazine - Issue 70: Featuring an Unpublished Truman Capote Story
Sendung: Durch die Nacht mit Schlingensief und Friedman
Am 1. Juni 2004 wurde die zweite “Durch die Nacht mit…”- Sendung ausgestrahlt. In der inzwischen legendären Folge fahren Christoph Schlingensief und Michel Friedman durch Frankfurt. Später stoßen noch Hannelore Elsner und Johnny Klinke dazu. Mein persönlicher Höhepunkt ist die Szene im italienischen Restaurant (“Schön das Aroma reinmischen!”). Konversationen von einem anderen Stern. Absolut sehenswert.
Playlist: 50 Years Of Wigan Casino
Zum 50. Jubiläum des Northern Soul-Clubs “Wigan Casino” hat das “Faith Fanzine” eine Spotify-Playlist mit Songs erstellt, die dort damals gespielt wurden. Wie man sich vorstellen kann, handelt es sich ausschließlich um Klassiker des Genres.
Wigan Casino - Northern Soul Classics / Faith Fanzine








