RELEVANT 1
Brigitte Bardot / Whit Stillman / Slowdive / Das philosophische Quartett / Andy Warhol / Wachsjacken / Boeuf Bourguignon
Im Jahr 2007 setzte ich einen Blog auf und pflegte ihn einige Jahre mit großer Freude. Irgendwann fehlte die Zeit, Prioritäten änderten sich und Blogs wurden zunehmend von den sozialen Medien verdrängt.
Kürzlich keimte in einem Pariser Café beim Nachdenken über die Zumutung der täglichen Informationsflut die Lust auf, wieder über Dinge zu schreiben, die ich für RELEVANT halte. Nun in Form eines Newsletters.
Die Themen sind unter anderem Stil, Architektur, Musik, Design, Kunst, Kultur, Literatur, Kulinarik und Film.
Ein weiterer Grund, für das Aufgeben des Blogs war die Tatsache, dass er sich immer mehr wie eine weitere Verpflichtung anfühlte. Deshalb werde ich mir für RELEVANT keinen festen Veröffentlichungsrhythmus auferlegen.
Um nichts zu verpassen, bietet sich ein Abonnement an. Die E-Mailadresse ist schnell eingetippt und Sie können sich darauf verlassen, dass in einer zivilisierten Taktung veröffentlicht wird.
Weil der Austausch zu den behandelten Themen einen Mehrwert darstellen kann, gibt es einen Kommentarbereich. Ihre Rückmeldung - gern auch konstruktive Kritik - ist ausdrücklich erwünscht.
Es gibt kein fein gedrechseltes Konzept, der Newsletter ist eher “Work In Progress”. Im besten Fall entwickelt sich RELEVANT zu einer Auszeit im hektischen Alltag. Oder zu einem Ort für sorgfältig kuratierte Relevanz, wenngleich sich das etwas abgehoben lesen mag. Ob ich dieses Ziel erreiche, wird sich zeigen.
Viel Spaß beim Lesen!
Marcel Peithmann
Serie: Bardot
Jemand, auf dessen Geschmackssicherheit man sich verlassen kann, empfahl mir die Serie “Bardot” vom Mutter-Sohn-Gespann Danièle und Christopher Thompson auf Netflix. Sie behandelt den Zeitraum zwischen dem 15. und dem 26. Lebensjahr der Schauspielerin Brigitte Bardot.
Die inzwischen 88-Jährige hatte allerdings wenig Interesse an dem Projekt und reagierte auf die Anfrage der beiden Regisseure mit der Bemerkung:”Macht, was Ihr wollt!”. Genau das taten sie dann. Bardot selbst ist mit dem Ergebnis weniger zufrieden. Es ist allerdings nicht ungewöhnlich, dass Portraitierte mit ihrem Bildnis nicht einverstanden sind. Wenn das Ergebnis nur halb so gut ist, wie mir beschrieben wurde und der Trailer verspricht, lohnt sich die Zeit.
Buch: Whit Stillman - Not so long ago
Whit Stillman, der in einer Liga mit Woody Allen spielt, gehört seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsregisseuren. Der Film “Metropolitan” aus dem Jahr 1990 steht auf meiner ewigen Bestenliste. Nicht nur die beiden, locker mit “Metropolitan” zusammenhängenden, Filme “Barcelona” (1994) und “The Last Days Of Disco” (1998) bereiten großes Vergnügen. Alles von ihm ist empfehlenswert. Sein Gefühl für Stimmungen, feinen Humor und Dialoge ist einfach hervorragend.
Heute erscheint bei Fireflies Press in Zusammenhang mit der Stillman-Retrospektive auf dem internationalen Filmfestival in Marseille, die Monographie “Not so long ago”. Dazu gehören, neben einem 15.000 Worte umfassenden Interview mit dem Regisseur Essays, Archivdokumente und eine Reihe von Ausführungen Stillmans zum Thema Film.
Ich kann es kaum erwarten, mein Exemplar in den Händen zu halten.







Whit Stillman: Not so long ago / Fireflies Press
Album: Slowdive - Everything Is Alive
Slowdive, eine der besten Bands der 90er Jahre, hat am 1. September ihr zweites Album nach einer langen Pause herausgebracht und das Ergebnis kann sich hören lassen. Nach “Pygmalion” (1995) gab es zwölf Jahre kein neues Material. Erst 2017 meldete man sich mit “Slowdive” zurück. Dann wieder lange nichts. Der erste Hinweis auf Neues am Horizont kam am 20. Juni in Form eines Videos für den Song “Kisses”, der bei mir für Begeisterung sorgte und mich ungeduldig das Erscheinen des an diesem Tag ebenfalls angekündigten fünften Albums “Everything is Alive” erwarten ließ.
Das Resultat war dann genauso wie erhofft: Ein wunderbarer Spaziergang durch traumartige Sphären, ohne dabei in beliebiges Gedudel abzudriften. Dafür sorgen die, von Slowdive gewohnten, professionellen Songstrukturen, die für mich essenziell sind. Am 30. August wurde dann das Video für “Alife” veröffentlicht, welches sich perfekt in das bewährte Konzept einfügte.
Positiv ist zudem die Ankündigung von Konzerten in Deutschland für das Jahr 2024. Für mich wird es eine Premiere sein. Habe die Band vorher nie live erleben dürfen. Die Vorfreude nimmt also kein Ende.
Sendung: Das Philosophische Quartett: Entlarvte Biografie - über Intimität und Öffentlichkeit
Man kann Internet und soziale Medien aus vielen Gründen kritisch beurteilen. In der Diskussion kommen die positiven Aspekte allerdings nicht selten zu kurz. Aus der Zeit, als den Menschen im Fernsehen noch Niveau zugemutet wurde, gibt es unzählige Perlen, die es wert sind, wiedergefunden zu werden.
Im Jahr 2003 diskutierten Fritz J. Raddatz und Joachim Fest im Rahmen des philosophischen Quartetts mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski zum Thema “Entlarvte Biografie - über Intimität und Öffentlichkeit”. Heute dürfte dieser Bereich sogar noch relevanter sein als damals. Bemerkenswert ist, in welcher Ausführlichkeit und auf welchem Niveau debattiert wird.
Ausstellung: Andy Warhol And Entourage
Im virtuellen Bereich der Berliner Galerie “Camera Work” ist seit dem 31. August die Ausstellung “Andy Warhol And Entourage” zu sehen. Sie hat, wie der Titel es vermuten lässt, das Umfeld Warhols zum Thema. Dieses war nicht weniger interessant, als sein Werk. Inwiefern sich beides gegenseitig beeinflusste, wird bis heute diskutiert. Meiner Meinung nach ist beides nicht voneinander zu trennen. Die Schau belegt das gut.
Andy Warhol And Entourage / Camera Work
Anleitung: Wachsen einer Barbour-Jacke
Das Wetter lässt noch nicht darauf schließen: Der Herbst wartet bereits an der nächsten Ecke. Das bedeutet, die Wachsjacken kommen wieder zum Einsatz. Ich trage seit Jahrzehnten Jacken von Barbour, weil ich Dinge mag, die lange halten.
Meine alten Modelle werde ich tragen, bis sie auseinanderfallen und dadurch Neuanschaffungen notwendig werden. Die Herangehensweise, etwas erst zu ersetzen, wenn man es nicht mehr reparieren kann, ist außerdem echte Nachhaltigkeit.
Damit Wachsjacken so lange wie möglich tragbar sind, empfiehlt es sich, sie regelmäßig nachzuwachsen. Jedes Mal stellt sich diesbezüglich die Frage, ob man das anderswo machen lässt, oder selbst erledigt. Ich habe es bisher immer selbst gemacht, weil das kaum Aufwand ist.
Barbour selbst stellt dafür eine Anleitung bereit. Für Lesefaule gibt es zusätzlich ein Video.
Rezept: Boeuf Bourguignon
Um es frei nach Loriot zu schreiben: Ein Leben ohne Schmorgerichte ist möglich, aber sinnlos. Wer so denkt, kommt an Boeuf Bourguignon nicht vorbei. Seit der Kindheit ist es eines meiner Lieblingsgerichte. Wenn man es häufiger zubereitet hat, kristallisiert sich bei jedem eine eigene Version dieses Klassikers heraus.
Die amerikanische Köchin Julia Child, die in den 50er Jahren in Frankreich lebte und das Kochen an der Kochschule Cordon Bleu in Paris lernte, brachte die französische ab 1963 mit ihrer Kochsendung “The French Chef” einem größeren US-Publikum nahe. Die Sendung wurde später mit einem Emmy ausgezeichnet.







Eine tolle Ausgabe. Der Musiktip hört sich für meinen Geschmack etwas fahrig an, ist aber nicht schlecht. Und Stillmans Filme werde ich mir wohl einmal rauskramen müssen.
Was das Niveau alter TV Klassiker angeht, kann ich nur zustimmen. Von den Zeugen des Jahrhunderts bis zu Frank Elstners Sendung mit Nobelpreisträgern, es gab einige anspruchsvolle Sendungen, bei denen man sich weiterbilden konnte. Ist leider alles dem Mainstream geopfert.
Und zu den Wachsjacken - ich überlege es auch sporadisch, aber dann kaufe ich mir letztlich doch wieder eine Dose Wachs und mache es selber. Besser können die das in Schottland auch nicht 😉
Danke für die guten Ideen und Hinweise, angenehme und lehrreiche Lektüre, evtl gebe ich auch meine Vorurteile gegen Barbour Jacken auf:_) Keep up the good work!